28. März 2015

Kairo ist selbst für Superhelden zu viel

Es gibt nicht nicht so viele positive Geschichten zu berichten aus Ägypten in diesen Tagen. Bomben, Terror, Armut - das sind die Themen, um die sich das Leben der Ägypter dreht, und damit natürlich auch unsere Berichterstattung. Hossam Atef und Atef Saed haben sich gedacht, sie müssen ihre Mitmenschen mal ein bisschen aufmuntern. Atef zwängt sich deshalb seit einiger Zeit regelmäßig in einen Spiderman-Anzug und zieht als Superheld durch Kairo. Hossam ist Fotograf und begleitet ihn bei seinen Alltagsabenteuern. Die Fotos und Videos laden sie dann auf Facebook oder Youtube hoch. Sie wollen zeigen: Eigentlich sind alle Kairoer Superhelden.

 

Smart und chancenlos

 

Auch mir haben die Beiden ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Sie haben so viel Energie, sind smart, haben eine Botschaft, wollen etwas verändern und haben doch so wenig Spielraum im Ägypten von heute. Hossam und Atef wohnen in Bulaq Dakrur, einem Armenviertel von Kairo. Dort werden sie vermutlich auch den Rest ihres Lebens verbringen, denn Aufstiegschancen gibt es in Ägypten nur für ganz wenige. Atef ist Koch. Er brauche jeden Tag drei Stunden bis zur Arbeit, erzählt er uns. Er finde das traurig, denn dann habe er oft keine Energie mehr, auf Arbeit etwas zu leisten.

 

"Du kannst nichts verändern, weil du ein Niemand bist"

 

Hossams Geschichte zeigt erschreckend eindrucksvoll, wohin diese Perpektivlosigkeit führen kann. Einen seiner Freunde hat sie nach Syrien in die Arme des IS getrieben (Hier die Geschichte der New York Times dazu). Hossam ist früher regelmäßig auf Demos gegangen, bis er verhaftet wurde. Im Video der NYT-Kollegen sagt er: "Ich habe realisiert, dass auch wenn ich sterbe, sich nichts ändern wird. Es gibt so viele Dinge, die du nicht ändern kannst. Nicht, weil du schwach bist, sondern weil du ein Niemand bist."

 

Der ägyptische Staat marginalisiert junge Menschen wie Hossam und Atef. Und wundert sich dann, wenn sich das eines Tages rächt.

 

Den Beitrag zum Projekt der Beiden gibt es hier.

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© Elisabeth Lehmann